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Kann der Patient warten, wenn die Cloud ausfällt?

vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

Cloud oder eigenes Rechenzentrum? Im Gesundheitswesen ist das keine reine IT-Entscheidung. Es geht um die Versorgung der Patienten.


Stellen Sie sich vor: Ein Krankenhaus hat seine zentralen Anwendungen in die Cloud verlagert. Die Daten sind verschlüsselt, der Anbieter ist zertifiziert, die Verfügbarkeit vertraglich zugesichert. Dann fällt die Internetverbindung irgendwie aus. Der Cloud-Provider erklärt, dass bei ihm alles funktioniert.


Plötzlich fehlen Patientenakten, Laborergebnisse und medizinische Informationen. Die IT ist technisch gesehen nicht einmal kompromittiert. Alles läuft.


Wer trägt dafür die Verantwortung? 


Ist die Cloud das Problem?


In Cybersecurity-Projekten begegnet mir immer wieder dieselbe Denkweise: Ein großer Anbieter verfügt über bessere Sicherheitsmechanismen als die eigene IT-Abteilung. Also kann die Cloud nur sicherer sein.


Ja. Professionelle Cloud-Plattformen bieten Möglichkeiten, die viele Krankenhäuser und Arztpraxen selbst kaum leisten können.


Aber Sicherheit ist mehr als Verschlüsselung, Firewalls und Zertifikate. Gerade im Gesundheitswesen ist Verfügbarkeit ein entscheidendes Schutzziel.

Was nützt die sicherste Patientenakte, wenn niemand im entscheidenden Moment nicht darauf zugreifen kann?


99,9 Prozent reichen möglicherweise nicht


Eine zugesicherte Verfügbarkeit von 99,9 Prozent klingt beeindruckend. Rechnerisch erlaubt sie jedoch rund 8,8 Stunden Ausfall pro Jahr. 


Und selbst diese Zusage bezieht sich häufig nur auf bestimmte Dienste, nicht auf den gesamten Weg vom Behandlungszimmer bis zur Anwendung. Den kann nämlich niemand garantieren.


Für eine Verwaltungssoftware mag das akzeptabel sein. Für zeitkritische medizinische Prozesse möglicherweise nicht.


Denn dazu kommen Abhängigkeiten von Internetprovidern, Identitätsdiensten, DNS, Schnittstellen und externen Dienstleistern. Fährt ein LKW einen der grauen Telekomkästen unten an der Straßenecke um, könnte das der sein, der uns ins Internet lässt. Und 8h werden zur Wiederherstellung kaum genügen.


Hackt jemand einen der DNS Root Server entsprechend, sind unsere Systeme mehr oder weniger Blind und kein System findet sich im Internet mehr zurecht. Ausfall. Decken das unsere Verträge ab? Eher nicht.


Ein hochverfügbarer Cloud-Dienst macht noch kein hochverfügbares Krankenhaus.


Ich halte Cloud-Technologien für sinnvoll. Aber die pauschale Verlagerung medizinischer IT ist keine Strategie, sondern möglicherweise ein neues Risiko.


Entscheidend ist die Frage: Welche medizinischen Prozesse müssen auch dann funktionieren, wenn die Verbindung zur Außenwelt vollständig unterbrochen ist?

Daraus ergeben sich Anforderungen an lokale Betriebsfähigkeit, redundante Kommunikationswege, Notfallprozesse und gegebenenfalls hybride Architekturen.

Dabei ist auch On-Premises kein Sicherheitsversprechen. Ein schlecht gewarteter Server im Keller ist nicht automatisch besser als eine professionelle Cloud.


Verantwortung lässt sich nicht outsourcen


Geschäftsführer und Praxisinhaber sollten ihren IT-Verantwortlichen deshalb eine unbequeme Frage stellen:


„Wie lange können wir unsere Patienten noch sicher versorgen, wenn morgen früh sämtliche Cloud-Verbindungen ausfallen?“


Wer darauf keine belastbare Antwort hat, sollte seine Digitalisierungsstrategie überprüfen.

Denn am Ende zählt nicht, wo die Daten liegen oder wie viele Zertifikate ein Anbieter besitzt. Entscheidend ist, ob die medizinische Versorgung auch unter widrigen Bedingungen funktioniert.


Die Cloud darf die Medizin unterstützen. Sie sollte nicht zu ihrer Achillesferse werden.


Autor: Chris Ditze-Stephan, President Zentric

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