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Charité baut eigene KI-Infrastruktur auf: Der nächste Schritt zur KI-Klinik?

20. Sept.
3 Min. Lesezeit

Die Charité startet mit „Clé“ eine zentrale KI-Plattform für Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung. Was zunächst wie ein weiteres internes KI-Tool klingt, könnte langfristig wesentlich mehr bedeuten: Die Berliner Universitätsmedizin schafft damit eine technologische Grundlage für den breiten Einsatz von KI – bis hin zu autonomen KI-Agenten.


Künstliche Intelligenz wird in der Medizin häufig anhand einzelner Anwendungen diskutiert: KI-Diagnostik, medizinische Chatbots, Dokumentationsassistenten oder Bildanalyse. Die Charité geht nun einen Schritt weiter. Mit der neuen Plattform „Clé“ entsteht eine zentrale KI-Infrastruktur, die künftig von Mitarbeitenden aus praktisch allen Bereichen der Universitätsmedizin genutzt werden kann.


Nach einer erfolgreichen Testphase wird der Zugang schrittweise für alle Mitarbeitenden geöffnet. Die Plattform läuft auf Servern der Charité und ermöglicht unter anderem die Nutzung verschiedener KI-Modelle, eine Chat-Oberfläche sowie die Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten. Zusätzlich können eigene Wissenssammlungen angelegt und über Programmierschnittstellen Anwendungen direkt in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden.  


KI bleibt innerhalb der Charité


Ein entscheidender Punkt ist die Infrastruktur. Interne Dokumente und dienstliche Informationen müssen für die Nutzung von Clé nicht an externe KI-Anbieter übertragen werden. Die Charité kombiniert zentrale Anmeldung, technische Schutzmechanismen, Protokollierung, Datenschutzvorgaben und verpflichtende Schulungen.


Damit verfolgt die Charité einen Ansatz, der für große Kliniken zunehmend relevant werden dürfte: KI soll nicht nur eingekauft, sondern als eigene strategische Infrastruktur kontrolliert betrieben werden.


Nach Angaben der Charité ist Clé in dieser Form bislang einzigartig an einem deutschen Universitätsklinikum. Mehrere Sprach- und Bildmodelle werden auf eigener Infrastruktur betrieben und stehen nicht nur einzelnen Pilotprojekten, sondern perspektivisch der gesamten Organisation zur Verfügung.  


Von der Dokumentation zum KI-Agenten


Besonders spannend wird das Projekt bei einem Blick auf die nächste Entwicklungsstufe.

Heute kann Clé beispielsweise dabei helfen, Dokumente zu strukturieren, Informationen aufzubereiten oder Wissensbestände zu durchsuchen. In einem Pilotprojekt konnte die Zeit für die Umwandlung von Dokumenten in strukturierte Daten laut Charité von durchschnittlich 30 Minuten auf zwei Minuten reduziert werden. Bei 1.800 Dokumenten hätten sich dadurch rechnerisch 105 Arbeitstage einsparen lassen.  


Die eigentliche strategische Perspektive liegt jedoch bei KI-Agenten. Diese sollen künftig mehrstufige Aufgaben übernehmen können – beispielsweise Dokumente auswerten, Informationen zusammenführen, Analysen durchführen oder Entwürfe vorbereiten. In weiteren Ausbaustufen ist vorgesehen, solche Agenten innerhalb einer abgesicherten Umgebung mit Charité-Systemen zu verbinden.  


Damit verschiebt sich die Bedeutung von KI: vom Werkzeug, das einzelne Mitarbeitende bedienen, hin zu einer Infrastruktur, auf der digitale Arbeitsprozesse neu organisiert werden können.


Noch keine KI für Diagnosen und Therapie


Wichtig ist zugleich die Abgrenzung: In der aktuell freigegebenen Form ist Clé ausdrücklich kein Medizinprodukt und nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen. Die fachliche Verantwortung bleibt bei den behandelnden Fachkräften, und KI-Ergebnisse müssen kritisch geprüft werden.  


Technologisch wird die Plattform allerdings bereits auf eine wesentlich größere Zukunft vorbereitet.


Entwickelt wurde Clé von der Ascléa GmbH, einer Ausgründung von Charité und Deutschem Herzzentrum der Charité. Betrieben wird die Plattform gemeinsam mit dem Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin und dem IT-Bereich auf Charité-eigener Infrastruktur.  


Was die Charité damit wirklich aufbaut


Die vielleicht wichtigste Nachricht steckt deshalb nicht in der Chat-Oberfläche.

Die Charité baut eine KI-Grundinfrastruktur für eine Universitätsmedizin auf. Darauf können künftig eigene Anwendungen, Assistenten und Agenten entstehen – für Klinik, Forschung, Lehre und Verwaltung.


Das macht das Projekt auch für andere Krankenhäuser interessant. Denn wenn KI tatsächlich zum Bestandteil der täglichen medizinischen Arbeit werden soll, reicht es nicht, einzelne Tools einzuführen. Kliniken benötigen Strukturen für Daten, Sicherheit, Governance, Modelle, Integration, Schulung und Verantwortung.


Die Charité versucht nun, genau diese Ebene aufzubauen.


Und vielleicht ist genau das der eigentlich große Schritt: Nicht die Einführung eines KI-Tools, sondern der Aufbau eines eigenen Betriebssystems für die KI-gestützte Universitätsmedizin.  

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